IQ versus EQ

Kirstin am 1. Februar 2009

Travemnde Sandworld 057 Einstein 173164 by Anne-Bermüller pixelio

© ABermueller / PIXELIO

Wenn man den Autoren dieses Buches und den Entwicklern des IQ-Tests der Süddeutschen glauben kann, haben ca. 90 % der Bevölkerung einen niedrigeren IQ als ich… Keine Sorge, ich gebe zu, daß ich geschummelt habe, denn ich nahm mir Papier und Stift, manchmal auch einen Taschenrechner zu Hilfe. Mein Gefühl nach diesem Test war, daß ich mir nicht vorstellen kann, daß dieses Ergebnis in irgendeiner Form Auskunft darüber geben kann, wie unser Leben verlaufen wird und ob wir Erfolg haben werden oder nicht.

Einige der Aufgaben erinnerten mich an Dr. Kawashimas Gehirnjogging und daraus schlußfolgere ich, daß wie bei diesem Spiel auch beim IQ-Test mit ein wenig Übung bessere Ergebnisse erzielt werden.

Ab und an hört man über emotionale und/oder soziale Intelligenz. Diese Themen diskutierten wir kürzlich im näheren Freundeskreis und so hab ich mich ein bißchen damit beschäftigt.

Es gibt einen Herrn Gardner, Psychologe an der Harvard Universität, der 1983 die multiple Intelligenz beschrieb.

Seiner Meinung nach gibt es folgende Arten von Intelligenz:

sprachliche, logisch-mathematische, räumliche, musikalische, Bewegung (körperlich-kinästhetische), intrapersonale (ich) und interpersonale (andere)

Zitat zum Nachdenken von ihm:

“Viele, die einen IQ von 160 haben, arbeiten für Leute mit einem IQ unter 100, weil sie selber über eine geringe, der Arbeitgeber jedoch über eine hohe interpersonale Intelligenz verfügt. Wer kein gutes Einfühlungsvermögen hat, trifft in seinem Leben immer wieder die falsche Wahl - sei es nun beim Lebenspartner oder im Beruf.”

Der EQ hat die folgenden wichtigsten Komponenten:

  • Zugang zu eigenen Gefühlen und die Fähigkeit zwischen ihnen entscheiden zu können
  • Emotionen so zu kontrollieren, daß sie angemessen sind
  • Emotionen in den Dienst eines Ziels zu stellen, z.B. indem man in der Lage ist, auf eine große Belohnung zu warten und dafür auf eine kleinere, sofort verfügbare, zu verzichten
  • Empathie, einschätzen zu können, was andere Menschen fühlen
  • Umgang mit Beziehungen, also mit Emotionen anderer Menschen umgehen zu können und Konflikte lösen…

Das heißt dann wohl im Umkehrschluß, daß Leute mit sehr hohem IQ nicht unbedingt besonders gute Leistungen bringen, weil sie sich mit niedrigem EQ unter Umständen so im Weg stehen, daß alles für die Katze ist…?

Jetzt ergibt sich ja auch die äußerst bedeutungsvolle Frage, ob ein hoher IQ einen hohen EQ ausschließt, der ja wichtiger sein müßte, wenn man glücklich sein möchte? Spannend, nicht?

Somit gibt es gar keine Messmöglichkeit der Intelligenz im Allgemeinen, oder? Also man könnte wissenschaftlich rangehen und sagen, das eine Gehirn arbeitet schneller, als das andere, weil es trainiert wurde oder nicht. Dann gibt es ja noch verschiedene Bereiche im Gehirn, die benutzt werden oder nicht. Dr. Kawashima von meinem Nintendo-Spiel lässt grüßen… Dort ist es ein leichtes innerhalb von wenigen Tagen sein geistiges Alter von 85 auf 25 Jahre zu trainieren… Und ich gebe zu: Am Anfang hat man wirklich das Gefühl, man spürt die Synapsen im Gehirn schalten in den Bereichen, die man sonst nicht benutzt.

Alles andere ist unser Leben… 50 % eventueller Intelligenz oder auch keiner werden von Mama und Papa mitgegeben. Die andere Hälfte eignen wir uns an, oder das Leben gibt sie uns mit.

Bei Focus habe ich zu diesem Thema einen interessanten Artikel gefunden - merke: aus dem Jahr 1995.

Also ich finde das sehr spannend, hatte ich erst gestern ein Telefonat, in dem es darum ging, ob es verwerflich ist, wenn eine Gynäkologin sagt, sie würde sich niemals mit einem Bauarbeiter verabreden, weil das intellektuell keineswegs passen könnte. Ich denke, man muß hinter die Fassaden der Menschen schauen, diese erkunden, kommunizieren, denn ich bin der Meinung, jeder ist ein Produkt seines Lebens und unabhängig davon, welche Leistungen man beispielsweise in der Schule brachte, kann man von jedem Menschen lernen, weil er ein anderes Leben führt, andere Erfahrungen machte und so weiter.

Abgelegt unter AufGelesen, Nachdenkliches | 5 Kommentare

5 Kommentare zu “IQ versus EQ”

  1. Hugelgupfam 1. Februar 2009 um 5:16 pm

    Faktisch gesehen wird Hochbegabung ausschließlich am IQ festgemacht. Ich denke jedoch, dass auch der EQ bei der Hochbegabung eine Rolle spielt - und dass ein hoher IQ einen hohen EQ keinesfalls ausschließt, sondern eher noch wahrscheinlicher macht.

    Gehen wir nach dem Wikipedia-Artikel über den EQ und den fünf Teilkonstruktionen aus:

    Ein gutes Beispiel bin wohl oder übel ich (klingt irgendwie egoistisch :/): http://hugelgupf.gfx-dose.de/2009/01/10/hochbegabt/
    Der Artikel von mir zeigt wohl sehr gut eine der fünf Teilkonstruktionen: Empathie (”Fähigkeit, emotionale Befindlichkeiten anderer Menschen zu verstehen und angemessen darauf zu reagieren”). Übrigens: Die Mutter von Yosefin Buohler hat den Artikel gelesen bzw. ich habe ihr vorher eine Nachricht auf Facebook geschrieben. Sie hat recht ausführlich geantwortet und schrieb, dass ich wohl auch einen hohen EQ habe.

    Was mich angeht, wird meine soziale Kompetenz nicht gerade hoch sein - ich bin immer noch schüchtern. Da nehme ich nun meine Schwester als Beispiel: Sie schafft es immer wieder, neue Leute kennenzulernen, spricht Mädchen in ihrem Alter an - im Schwimmbad, im Urlaub, überall. (Fragt mich nicht, wie sie das schafft.)

    Eine Teilkonstruktion, die ich wohl auch nicht erfüllen kann, ist die Selbststeuerung - “planvolles Handeln in Bezug auf Zeit und Ressourcen”. Zeitpläne sind der Horror für mich - das würde ich jedoch eher auf das ADS beziehen, denn Zeitpläne kann ich oft nicht einhalten, weil ich mich ablenken lasse. Liegt also nicht wirklich an der Hochbegabung.

    Selbstmotivation. “Begeisterungsfähigkeit für die Arbeit, sich selbst unabhängig von finanziellen Anreizen oder Status anfeuern zu können”. Motivieren kann ich mich nur für Themen, die mich interessieren - alles andere ist langweilig.

    Selbstbewusstheit (nicht -sein!) - “Fähigkeit eines Menschen, seine Stimmungen, Gefühle und Bedürfnisse zu akzeptieren und zu verstehen, und die Fähigkeit, deren Wirkung auf andere einzuschätzen”.
    Ich frage mich gerade, wie man seine eigenen Gefühle nicht akzeptieren kann. Wie macht man das? Wenn man z.B. gerade fröhlich ist und das nicht akzeptieren will, versucht man dann krampfhaft das Weinen anzufangen? Ist jetzt ein komisches Beispiel, aber das schwebt mir gerade vor Augen.
    Ich achte immer darauf, wie ich gerade auf andere wirke. Mir fällt grad auf, dass man das gut sehen kann, wenn man mal weiter oben in meinem Kommentar schaut: “Ein gutes Beispiel bin wohl oder übel ich (klingt irgendwie egoistisch :/)” Jetzt müsste ich nur noch wissen, ob ich das so richtig eingeschätzt habe, oder ob das übertrieben ist.

    Ich bin gerade skeptisch, ob ich das so stehen lassen kann. Immerhin ist das nur mein Eindruck, meine Meinung. Eine wirkliche Argumentation, wie ich sie gerne hierhingesetzt hätte, kann ich nicht liefern - im Thema EQ bin ich nicht wirklich drin.

  2. Doc Saraham 1. Februar 2009 um 6:09 pm

    ja, das ist ein großes thema….
    gelungener artikel und gelungener kommentar von hugelgupf.
    hier mein kleiner beitrag aus meinen ersten bloggertagen: http://www.doc-sarah-schons.de/blog/2007/05/iqeq-begnadigung-der-begabungen/ - leider sind die vielen sehr guten comment beim blogumzug verlorengegangen….

  3. Kirstinam 1. Februar 2009 um 6:18 pm

    Danke, Christopher. Nach Lesen Deines Kommentars und Durchstöbern Deines Blogs fällt es mir jetzt schwer, meine Gedanken in verständliche Sätze zu packen. Zu viele derselben und ein Riesenthema, was da angeschnitten wurde…

    Spannend finde ich das mit der SelbstbewußtHEIT und ich finde auch gleich mal keine richtige Interpretation. Bei Deinem Beispiel, was die Fröhlichkeit betrifft… Emotionen akzeptieren/nicht akzeptieren… Ich versuche in mich reinzuhorchen in diesem Moment und erinnere mich an Begebenheiten, die mich fröhlich machten, aber eine imaginäre Stimme mir sagte: “Freu Dich nicht so sehr, sonst bist du umso enttäuschter, wenn Du nicht mehr fröhlich bist…” Ob so etwas damit gemeint ist? Daß man die eigenen Emotionen nicht in Frage stellt, sondern einfach zulässt?

    Umgekehrt bin ich die meiste Zeit in der Lage Negatives zu bemerken. Also ich meine, wenn man plötzlich einen Stimmungsabfall hat, kurz innezuhalten und seine eigenen Gedanken zurückzuverfolgen, bis man den gefunden hat, der einem plötzlich die Stimmung vermieste. Meistens geht es mir dann wieder gut, weil es dann doch nicht so schlimm war - aus der Nähe betrachtet… Ich schreib jetzt aber auch nur so vor mich hin, was mir durch den Kopf ging. Keine Ahnung, ob das damit gemeint sein könnte.

    Und wann man es akzeptiert und wann nicht. Hmm.. Ist dann wohl eher verstehen. Nur was dann?

    Wichtiger ist vermutlich eh der zweite Teil: “die Fähigkeit, deren Wirkung auf andere einzuschätzen”. Also jedenfalls wenn man darauf achtet, wie die eigene Wirkung aufs Umfeld ist. Manchmal hab ich dann aber auch das Gefühl, daß es einen kaputt machen kann, wenn man ständig darüber nachdenkt.

    Das wurde mir auch klar, als ich Deinen Post zu diesem Mädchen gelesen hatte - Stichwort Supertalent. Diese Selbstzweifel… die ich leider auch zur Genüge kenne. Ob die damit zu tun haben, daß wir nicht zu dem stehen, was wir sind und können, sondern immer nur darüber nachdenken, was andere von uns halten? Und letztendlich denjenigen keinen Glauben schenken, die uns bestätigen? Wie löst man das? Irgendwie kompliziert alles…

    Ich bin wahrscheinlich noch weniger im Thema drin als Du, aber vielleicht muß man das auch gar nicht…

  4. Kirstinam 1. Februar 2009 um 6:19 pm

    Hey Sarah. Danke für den Link. Warste wieder schneller… :roll:

  5. Autumnam 10. April 2013 um 6:07 am

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